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Mahdgutübertragung in Nordrhein-Westfalen


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Mahdgutübertragung (Frisch- bzw. Grünmulchverfahren, Selbstbegrünung mit Nachhilfe)

Definition

Die Mahdgutübertrag ist ein Verfahren zur Entwicklung von Pflanzengesellschaften des Grünlandes unter Verwendung von gebietsheimischen, lokalen Herkünften bis hinab auf die Ebene der Ökotypen. Die Pflanzenbestände von nach naturschutzfachlichen Kriterien ausgewählten Spenderflächen werden geschnitten und dieses Mahdgut wird ohne weitere Aufbereitung in frischem Zustand als Mulchdecke auf die zu entwickelnden Flächen, die Empfängerflächen, aufgebracht. Der Schnittzeitpunkt entscheidet über die Arten, die auf diese Art und Weise übertragen werden. Das Ausfallen der Samen erfolgt zum überwiegenden Teil während des Abtrocknens des Materials auf der Empfängerfläche.

Auftrag von Frischmulch auf eine gerodete Fichtenparzelle zur Entwicklung einer Bärwurz-Magerwiese im Nationalpark Eifel (© Foto: Nationalpark Eifel)

Durchführung

Für einen optimalen Erfolg ist es wünschenswert, die Spenderfläche in Staffelmahd dreimal zu beernten. Die Zeitpunkte richten sich nach der Samenreife der Zielarten. Anhaltspunkte für geeignete Schnittzeitpunkte liefern z. B. die Samenreife verschiedener Gräser. Zu Beginn der Samenreife des Ruchgrases kann die erste Nutzung erfolgen. Die beginnende Samenreife der Wiesenrispe markiert den Zeitpunkt des zweiten Schnitts. Die dritte Nutzung empfiehlt sich zu Anfang der Samenreife später Gräser wie dem Knaul- oder Wiesenlieschgras (FOERSTER 1990). BOSSHARD empfiehlt bei der Entwicklung von Magergrünland, den Erntezeitpunkt an der Blüte der Margerite auszurichten (BOSSHARD 1999). Ist nur ein Schnitt möglich, ist ein späterer dem früheren vorzuziehen. Er sollte auf jeden Fall nach dem ortsüblichen ersten Heuschnitt erfolgen. Die Zielarten dürfen jedoch noch nicht ausgesamt haben . Eine Übersicht über Erntetermine für einige wichtige Wiesenarten gibt Tabelle 1. Das morgens vor dem Abtrocknen geschnittene Mahdgut wird am besten direkt im Anschluss an die Mahd auf die Empfängerflächen aufgetragen. Für die Durchführung dieser Arbeit prädestiniert ist die Kombination von Frontmähwerk, Schlepper und Ladewagen mit Dosierwalze. Bei kleinen Flächen oder sehr nassen bzw. steilen Flächen kann aber auch der Einachsmäher oder gar die Sense eingesetzt werden. Sehr seltene oder gefährdete Pflanzengesellschaften rechtfertigen den erhöhten Aufwand durch die anfallenden Handarbeit. In der Literatur wird auch der Einsatz von Saugmulch-Fahrzeugen beschrieben (KIRMER & KORSCH o. A. d. Jahres).

Das Verhältnis von Spenderfläche zu Empfängerfläche sollte zwischen 1:4 und 1:8 liegen, wenn eine dreimalige Beerntung in Staffelmahd vorgesehen ist. Das Mahdgut sollte dann jedoch immer auf die gleiche Empfängerfläche aufgebracht werden. Als Ergebnis liegt dann ein Verhältnis von ungefähr 1:1 bis 1:3 vor. Dieses Verhältnis ist auch beizuhalten, wenn nur eine einmalige Beerntung möglich ist. Unter Berücksichtigung der Biomasseproduktion der verschiedenen Pflanzengesellschaften ergeben sich Auflagestärken von 1 bis 25 cm. In Versuchen haben selbst Mulchdecken von 40 cm auf aktiven Auenböden noch keine negativen Auswirkungen auf die Keimung auch kleinerer Pflanzen gehabt (OTTE 2008). Werden die Mengen in Gewicht pro Fläche angegeben, liegen die Werte zwischen 100 und 350 g/qm.

Die Vorbereitung der Empfängerflächen richtet sich nach der üblichen landwirtschaftlichen Praxis. Es ist ein feinkrümeliges Saatbett herzustellen. Das aufgetragene Material kann nach dem Antrocknen mit einem Heuwender verteilt werden. Neben einer gleichmäßigeren Verteilung fördert diese Maßnahme das Ausfallen der Samen. Danach kann das Material noch angewalzt werden. Die Entfernung der Mulchdecke ist nicht notwendig. Wenn möglich und notwendig sollten Vogelvergrämungsmaßnahmen vorgesehen werden. Auch Schneckenfraß kann zu erheblichen Verlusten führen.

Das Auftragen des Mahdgutes auf der Empfängerfläche ist prinzipiell vom Frühjahr bis in den Herbst möglich. Durch den vorgegebenen Schnittzeitpunkt kann jedoch nicht gezielt zwischen einer frühen oder späten Anlage ausgewählt werden, um Früh- bzw. Spätkeimer gezielt zu fördern. Soll Magergrünland auf eutrophen Ackerstandorten etabliert werden, ist vorab eine gezielte Ausmagerung durchzuführen. Hierzu eignet sich der Anbau von Grünroggen.

Bei der Artenanreicherung von bestehenden Grasnarben muss diese vorab gezielt geschwächt werden, damit die zum Teil kleinwüchsigen Arten ohne den Konkurrenzdruck der vorhandenen Arten keimen und wachsen können. Ein Tiefschnitt, Eggen, Striegeln oder Fräsen von etwa 1m schmalen Streifen quer zur Bearbeitungsrichtung erfüllt diese Aufgabe, wobei in dichten Narben Frässtreifen zu empfehlen sind.

Pflege

Nach dem Auflaufen der Pflanzen ist im Herbst bei starkem Auflaufen von unerwünschten Konkurrenzpartner mindestens ein Schröpfschnitt vorzusehen. Die weitere Nutzung richtet sich nach dem Zielpflanzenbestand.

Einsatzmöglichkeiten und Eignung

Das Verfahren eignet sich zur Entwicklung von Pflanzengesellschaften des Grünlandes insbesondere wenn eine Selbstberasung nicht erfolgversprechend ist und eine geeignete Spenderfläche in der Umgebung, zumindest jedoch im Naturraum/Großlandschaft, zur Verfügung steht.

Bewertung

Eine Begrünung ist sicher zu erzielen. Das Arteninventar wird stark vom Diasporenvorrat im Boden und dem Spenderbestand bestimmt. Das Auflaufen von Arten mit geringer Individuenzahl im Spenderbestand ist nicht immer gewährleistet, daher ist das Ergebnis kaum mit letzter Sicherheit vorhersagbar. Gräser, Leguminosen und Umbelliferen sowie Leucanthemum-, Centaurea- und Plantago-Arten sind gut übertragbar. Es liegen inzwischen vielfältige gute Erfahrungen mit dieser Methode vor. Das Risiko einer misslungenen Ansaat ist nicht höher als bei einer klassischen Einsaat. Die Übertragungsmöglichkeit von Insekten der Spenderfläche wurde inzwischen ebenfalls nachgewiesen (ELIAS, THIEDE 2008). Die Entwicklung der Empfängerfläche kann über die Nutzung und Pflege gesteuert werden. In Abhängigkeit von der Aut- und Populationsökologie der Pflanzenarten kann es mehrere Jahre dauern bis sich der Zielbestand entwickelt hat und einzelne Arten sich reproduzieren.