Titel:

Mahdgutübertragung in Nordrhein-Westfalen


Logo:

Mahdgutübertragung in Nordrhein-Westfalen


Suche:


Schriftmenü:

Schriftgrösse: ||

Inhalt:

Grassodenverpflanzung

Definition

Bei der Grassodenverpflanzung erfolgt eine Übertragung von ausgestochenen oder abgeschälten Grassoden wertvoller Grünlandgesellschaften auf vegetationsfreie Flächen. Dieses Verfahren wird in der Regel zur Verpflanzung von Vegetationbeständen eingesetzt, die im Rahmen von Eingriffen ihren Wuchsort verlieren. Es ist primär nicht auf die Vermehrung sondern auf die Rettung von Biotopen ausgelegt.

Verpflanzung einer Salbei-Glatthaferwiese in der Rheinaue (Kreis Wesel) mittels Grassodenverpflanzung (© Foto W. Itjeshorst)   Händisch abgestochene Plagge und abgeschälte Sode einer Weidelgrasweide auf bindigem Substrat (© Foto: Archiv A. Neitzke)

Durchführung

Für die Anlage von Grünlandgesellschaften sind die Herbstmonate geeignet, da in dieser Zeit die Gefahr der Austrocknung in normalen Jahren gering ist. Auf die Übereinstimmung des Standortes ist zu achten. Eine Angleichung durch Kalkung bzw. Düngung ist bei großen Abweichungen durchzuführen. Vor dem Abstechen der Soden sollte der Bestand gemäht werden. Das Mahdgut kann zum späteren Abdecken und zur Mahdgutübertragung genutzt werden. Die Größe und Dicke der Soden richtet sich nach den technischen Möglichkeiten. Wichtig ist, dass die Wasserversorgung gewährleistet wird. Entweder vorübergehend über die Speicherung in der Sode, bis der Anschluss an das Bodenwasser erreicht wird oder bei dünnen Soden durch rasches Wurzelwachstum mit schnellen Kontakt zum Kapillarwasser bei entsprechender Vorbereitung der Empfängerfläche. Bei dem Einsatz von Großtechnik kann die Dicke 30 bis 50 cm betragen. Im Rahmen von händisch durchgeführten Maßnahmen ist bei bindigen Böden eine Mächtigkeit von etwa 8 bis 12 cm möglich. Bei sandigen Böden kann die Mächtigkeit geringfügig größer gewählt werden, da die Grassode sonst leicht zerbröselt. BANK et al (2002) berichten von Verlegen durchgefrorener Soden bei Frost, um das Problem des Auseinanderfallens der Plaggen zu lösen. Das Auflegen der Soden kann in geschlossenen Verband erfolgen aber auch bei größeren zu begrünenden Flächen und wenig Spendermaterial in Form von einzelnen Inseln. Über die minimale Größe der Inseln liegen keine Untersuchungen vor. Aus Gründen der Konkurrenz und der Ausbreitungsweite konkurrenzkräftiger Grünlandpflanzen sollte sie aber sicher nicht unter 1 qm betragen. Die Einsaat der Restfläche kann mit Frischmulch, Heudrusch, Ammenmischungen oder Ähnlichem erfolgen. Die Soden sollten angewalzt werden, um den Anschluss an das Kapillarwasser zu fördern.

Pflege

Die Pflege richtet sich nach den zu entwickelnden Grünlandgesellschaften (siehe Nutzung und Pflege).

Einsatzmöglichkeiten und Eignung

Dieses Verfahren hat seinen Schwerpunkt in der Sicherung von besonders wertvollen Lebensräumen, die im Rahmen von Eingriffen entfernt werden müssen. Da diese Maßnahme die Pflanzengesellschaft am Wuchsort zerstört, ist es in der Regel nicht zu Begrünung von großen Flächen geeignet. Eine Entnahme zur Vermehrung ist daher nur möglich, wenn eine Gefährdung des Spenderbestandes ausgeschlossen ist. In den meisten Begrünungsprojekten werden daher mit der Sodenverpflanzung nur kleine Flächen zur Schaffung von Initialen angelegt, aus denen heraus das Einwandern von Zielarten in die Fläche erfolgen kann. Das Verfahren ist daher auch zur Erhöhung der Biodiversität von vorhandenem Grünland geeignet.

Da bei dieser Methode auch ein Teil des Edaphons mit übertragen wird, bietet es sich als Ergänzungsmaßnahmen an, mit der ein größerer Teil der Biodiversität an einem Wuchsort gesichert bzw. vermehrt werden kann.

Bewertung

Die Grassodenverpflanzung ist bisher nur in Einzelfällen (vgl. Vortrag S. Bloemerpdf-icon) eingesetzt worden (siehe auch KIRMER & TISCHEW 2006). Daher liegen noch keine allgemeingültigen Ergebnisse vor. Die Erfahrungen reichen von unzureichend bis erfolgreich. Weitere Untersuchungen sollten daher durchgeführt werden. Von Vorteil ist, dass bei diesem Verfahren das gesamte Bodenleben mit übertragen wird.