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Mahdgutübertragung in Nordrhein-Westfalen


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Wiesendrusch, Heusaat, Heudrusch®

Definition

Diese miteinander verwandten Verfahren dienen der Gewinnung von autochthonem, regionalem, gebietsheimischen oder Ökotypen-Saatgut, bei dem der Grünlandaufwuchs mit geeigneten Ernteverfahren gewonnen und ausgedroschen wird. Die Arbeitsgänge sind je nach vorhandenen Geräten und zu beerntenden Pflanzengesellschaften recht vielfältig. Es kann sowohl frisches Material als auch Heu ausgedroschen werden. Das gewonnene Material, das aus Samen, zerschlagenen Frucht- und Blütenständen sowie Halm- und Blattbruch besteht, kann in frischem Zustand ausgebracht aber auch getrocknet werden, um lagerfähiges Material zu erhalten. Eine Variante der Heusaat ist der Heudrusch®, auch Engelhardt-Verfahren genannt. (ENGELHARDT 1996). Hierbei wird der gemähte Grünlandaufwuchs vorgetrocknet, in Rundballen gepresst, unter Dach nachgetrocknet und dann ausgedroschen. Das gewonnene Material kann per Hand, mit Saatkombinationen aber auch im Nasssaatverfahren ausgebracht werden. Als Sonderformen können die Gewinnung von Samen durch Ausbürsten des stehenden Bestandes, das Abrechen oder die Handsammlung aufgefasst werden (KIRMER & KORSCH).

Mähen und dreschen einer Wiese mit landwirtschaftlichem Großgerät in einem Arbeitsgang zur Erzeugung von Wiesendrusch (© Foto W. Bleeker)   Ausdreschen von Wiesenheu mit einem Mähdrescher zur Gewinnung von Heusaat, Versuchswesen Abt. 4: Grünlandwirtschaft und Futterbau, Agrarökologie, LÖLF (© Foto A. Neitzke)

Durchführung

Artenreiche Grünlandbestände werden zur Samenreife von Zielarten geschnitten und ausgedroschen. Der Einsatz von Mähdreschern, z. Teil auch von Spezialmähdreschern aus dem landwirtschaftlichen Versuchswesen, ermöglicht es, die Beerntung und das Ausdreschen in einem Arbeitsgang durchzuführen. Bei einer für einen Maschineneinsatz zu hohen Bodenfeuchtigkeit, einer zu großen Hangneigung oder einer zu steinigen bzw. zu unebenen Oberfläche ist eine Beerntung per Hand notwendig. Das Ausdreschen erfolgt anschließend in einem gesonderten Arbeitsgang an einem dafür geeigneten Ort entweder maschinell oder ebenfalls per Hand. Die Lagerung des Materials auf einer Silofolie ist zweckmäßig und verringert den Verlust von samenhaltigem Material bei dem notwendigen Arbeitsgängen.

Die Menge des zu händelnden Materials wird dadurch deutlich reduziert und die Transportkosten verringert. Das ausgedroschene Material wird normalerweise nachgetrocknet. Es kann aber auch direkt ausgesät werden.
Ist es aus Naturschutzsicht nicht verantwortbar, den gesamten Samenertrag eines Jahrs von der Fläche zu entfernen, kann zunächst Bodenheu gewonnen werden. Dabei bleibt ein Teil der Samen auf der Fläche. Das gewonnene Heu wird eingefahren und ausgedroschen. Das Ergebnis ist trockenes, lagerfähiges, samenhaltiges Material.

Eine nachträgliche Reinigung des auf die verschiedenen Weisen gewonnenen Materials durch Siebe etc. führt zu einer Erhöhung des Anteils der Samen. Durch Spezialverfahren kann der Anteil der Grassammen reduziert und der der Kräuter angehoben werden. Dies ist besonders bei der gezielten Erhöhung des Kräuteranteils in grasreichen Narben in Verbindung mit der Anlage von Frässtreifen sinnvoll.

Das Saatgut sollte in Pappsäcke abgefüllt und bis zur Aussaat trocken, kühl und dunkel gelagert werden.
Vor der Aussaat ist ein feinkrümeliges Saatbett zu bereiten (siehe Ansaat). Die Aussaatstärke liegt üblicherweise zwischen 20 und 40 g/m². Auf einen geeigneten pH-Wert und eine passende Versorgungsstufe des Bodens ist zu achten. Die Durchführung von Wiesen- oder Heudrusch® wird von mehreren Fachfirmen angeboten.

Pflege

Nach Auflaufen ist bei Bedarf ein Schröpfschnitt durchzuführen. In Anschluss daran kann mit der Nutzung begonnen werden. Auf die richtige, den Zielgesellschaften angepasste Nutzung und Pflege ist zu achten.

Einsatzmöglichkeiten und Eignung

Anlage aller Pflanzengesellschaften des Grünlands. Die beschriebenen Methoden eignen sich besonders, wenn folgende Aspekte bei der Auswahl der Maßnahme im Vergleich zur Mahdgutübertragung relevant sind:

  • höhere Transportkosten bei größerer Entfernung zwischen Spender- und Empfängerfläche
  • Transport- und Ausbringungskosten bei mehrmaligem Schnitt der Spenderfläche oder Nutzung mehrerer Spenderflächen
  • gewünschter Nachweis der Artenzusammensetzung des Übertragungsmaterials
  • gewünschter Nachweis der Höhe der Keimfähigkeit des Übertragungsmaterials
  • gewünschter Nachweis der Autochthonie des Übertragungsmaterials
  • gezielte Reduzierung des Samenanteils weniger erwünschter Arten
  • Nutzung des Nassanspritzverfahrens z. B. auf Böschungsflächen

Bewertung

Die Flächen lassen sich sicher begrünen. Die Artenzusammensetzung und Mengenanteile können nicht mit letzter Sicherheit vorhergesagt werden. Seltene Arten und lebensraumtypische Charakterarten lassen sich aber übertragen. Im Gegensatz zur direkten Mahdgutübertragung ist eine Verfrachtung von Insekten (ELIAS, THIEDE 2008) weitgehend ausgeschlossen. Die Entwicklung ist von der konsequenten, fachlich richtigen Nutzung und Pflege abhängig. Die in der Praxis gemachten Erfahrungen sind positiv. Das Risiko ist nicht höher als bei einer klassischen Einsaat.