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Mahdgutübertragung in Nordrhein-Westfalen


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Mahdgutübertragung in Nordrhein-Westfalen


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Einleitung

Zur Entwicklung der Biodiversität der Grünlandlebensgemeinschaften in NRW ist es sinnvoll, möglichst naturnahe Methoden auch bei der Neubegründung von Grünland einzusetzen. Die Übertragung von Mahdgut und damit des hierin enthaltenen Samens artenreicher Wiesen und Weiden auf zu entwickelnde Flächen ist hierfür besonders geeignet. 

Das LANUV hat das „Fachinformationssystem Mahdgutübertragung“ erstellt, um den Akteuren, die im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen, Kompensationsmaßnahmen, im Deich- und Wasserbau sowie im Rahmen von Straßenaus- und –neubauten grünlandartige Bestände mit standorttypischem Artenreichtum durch Mahdgutübertragung entwickeln wollen, die hierfür notwendigen Informationen zur Verfügung zu stellen. Mit Hilfe des Spenderflächenkatasters kann die Suche nach geeignetem Grünland zur Gewinnung dieses Mahdgutes (Spenderflächen) zukünftig wesentlich erleichtert werden. Das Spenderflächenkataster steht hierfür den Landschaftsbehörden und Biologischen Stationen zu Verfügung. Die inzwischen in vielen Fällen erprobten unterschiedlichen Methodenvarianten der Mahdgutübertragung werden darüber hinaus detailliert beschrieben.

Leider ist die Mahdgutübertragung oder die Anwendung anderer naturnaher Begrünungsmethoden bisher nicht der übliche Weg. Bislang kommen hauptsächlich Grünland-Saatgutmischungen zum Einsatz, die entweder Zuchtsorten oder Arten bzw. Sippen aus gebietsfremden Herkünften enthalten. Dieses Saatgut wird zu einem wesentlichen Teil weit außerhalb der Anwendungsgebiete, oftmals sogar außerhalb Europas und in anderen Klimazonen gewonnen und vermehrt. Dies birgt die Gefahr der Florenverfälschung und Gefährdung der heimischen Pflanzenarten - und verstößt damit gegen die Ziele der Biodiversitätskonvention (CBD). Das Bundesnaturschutzgesetz (§40) setzt aus diesem Grund für die Ausbringung enge Grenzen.

Gleichzeitig besteht in weiten Teilen des Landes das Problem, dass die noch vorhandenen Grünlandflächen, auch viele, die als Kompensationsmaßnahmen und im Vertragsnaturschutz durch Selbstberasung entwickelt wurden, auch nach vielen Jahren nicht das für den Standort zu erwartende typische Artenspektrum aufweisen. Eine Besiedlung mit den entsprechenden Arten aus der Umgebung erfolgt hier meist nicht, da diese inzwischen auch dort nicht mehr vorhanden sind. Dies ist einer der Gründe dafür, dass sich die FFH-Lebensraumtypen „artenreiche Flachlandmähwiesen“ (LRT 6510) und „artenreiche Bergmähwiesen“ (LRT 6520) laut FFH-Bericht 2007 in einem ungünstigen Erhaltungszustand befinden.

Auswahl der Begrünungsmethoden

Damit zukünftige Grünlandentwicklungsmaßnahmen in deutlich höherem Maße zu typisch artenreichen, aus gebietsheimischen Herkünften aufgebauten Wiesen und Weiden führen, stehen mehrere naturnahe Methoden der Begrünung zur Verfügung. In der im Folgenden aufgeführten Reihenfolge sollte geprüft werden, welche im jeweiligen Einzelfall die geeignete ist:

1. Selbstberasung

Wo immer die Selbstberasung aufgrund des zu erwartenden Samenpotentials im Boden beziehungsweise auf Grund artenreicher Grünlandflächen in der unmittelbaren Umgebung erfolgversprechend ist, sollte sie angewendet werden. Mit dieser Methode lässt sich am ehesten erreichen, dass sich der entwickelnde Artenbestand aus lokalen Herkünften aufbaut und deren Erhaltung und Entwicklung dadurch gefördert wird.

2. Mahdgutübertragung/Heudrusch©

Da die Selbstberasung in vielen Fällen, insbesondere im intensiver landwirtschaftlich genutzten Flachland von Nordrhein-Westfalen, nicht erfolgversprechend sein wird, sollte in diesen Fällen geprüft werden, ob geeignete Grünlandflächen zur Verfügung stehen, deren Mahdgut oder Heudrusch auf zu entwickelnde Flächen übertragen werden kann. Diese Spenderflächen sollten in möglichst geringer Entfernung zur Entwicklungsfläche liegen. Um die Ermittlung solcher Flächen zu erleichtern, stellt das LANUV ein Spenderflächenkataster zu Verfügung.

3. Lokales / Naturraum-Saatgut

Stehen keine geeigneten Spenderflächen für eine Mahdgutübertragung zur Verfügung, ist - soweit vorhanden - die Nutzung von gezielt vermehrtem lokalem bzw. Naturraum-Saatgut, insbesondere im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen, eine Alternative.

4. Regiosaatgut

Insbesondere im Flachland steht für die drei erstgenannten Methoden bisher z. T. kein geeignetes Material zur Verfügung. In diesen Fällen sollte auf zertifiziertes Regiosaatgut zurückgegriffen werden.

Nähere Informationen zur Produktion und Verwendung von Regiosaatgut finden Sie unter:

Hier sind alle relevanten Informationen zur Einteilung Deutschlands in die zu berücksichtigenden Herkunftsregionen enthalten. Außerdem wird hier ein Artenfilter zur Verfügung gestellt, mit dem die für die jeweilige Herkunftsregion grundsätzlich geeigneten Arten ermittelt werden können. Auch die Anwendung des Artenfilters ist notwendig, um negative Auswirkungen der Verwendung von Regiosaatgut zu vermeiden.

Weitere Informationen zu den Zertifizierungssystemen finden Sie unter:

5. N-Mischungen des LANUV

Da bisher auch zertifiziertes Regiosaatgut nur sehr begrenzt zur Verfügung steht, wurden vom LANUV zur Überbrückung die "Naturschutz (N)-Mischungen" entwickelt. Ihre Aussaat dient überwiegend der Anlage von Ammenbeständen. Über die anschließende Einwanderung biotoptypischer Grünlandarten aus Nachbarbeständen oder das Keimen von Samen aus dem Diasporenvorrat des Bodens sollen sich artenreiche Grünlandgesellschaften entwickeln. Die Mischungen stützen sich auf Arten, die auch im normalen landwirtschaftlichen Betrieb in größeren Mengen ausgesät werden. Auf "buntblühende Arten" wird bewusst verzichtet.